Connew

Darnval Connew Racing Team

von Steffen Schulz

Sitz/Werkstatt: Romford, Chadwell Heath / Essex

 

F1-Debüt: GP von England 1972

GP-Debüt: GP von Österreich 1972

Peter Connew, der zuletzt 2 Jahre Konstrukteur bei Surtees war und dort die ersten F1-Surtees gezeichnet hatte, wollte für 1972 sein eigenes Auto und zwar gleich in der Formel 1 einsetzen. Das darum entstehende Team wurde von seinen Freunden Barry Boor, Roger Doran und Mike Smith unterstützt, letzterer sorgte für etwas Geld. Ron Dennis, der seit 1970 mit einem Partner die Rennwagenfirma Rondel führte, unterstützte das Projekt ebenfalls.

Ansonsten bestand die Basis aus einer Werkstatt und Enthusiasmus, von einem ernsthaften Budget konnte nicht die Rede sein. Mit Hilfe einiger Fachkräfte wurden 2 simple offene Alu-Monocoques gebaut. Auf einer Rennwagenausstellung Ende 1971 wollte man die eigenen Pläne vorstellen, so daß man ein Chassis zu einem Standmodell aufbaute, man schraubte Aufhängungen dran, ins Heck kam eine Motorattrappe und irgendein Getriebe, man ließ eine gefällige Karosserie fertigen und komplettierte damit das show car. Es sollte jedoch Juli 1972 werden, bevor daraus ein richtiges Auto geworden war.

Man tat sich mit dem französischen F2- und Sportwagenfahrer Francois Migault zusammen, der genug Geld mitbrachte, um das Auto zum Laufen zu bringen. So konnte man sich einen Cosworth V8, ein Hewland-Getriebe, Firestone-Reifen und was sonst noch nötig war beschaffen. Chassis 002 wurde fahrtüchtig aufgerüstet. Die Front des Wagens war ganz klar den Formen des Lotus 72 entnommen, es gab eine breite Nase in scharfer Keilform mit einzeln angesetzten Flügeln. Jedoch saßen die Kühler vor dem Monocoque, so daß es einen großen Luftauslaß nach oben gab. Die übrige Karosserie (bis zum Ende des Monocoques) zeigte eine niedrige, sanft ansteigende Linie, was das Auto schnittig erscheinen ließ, von vorne wirkte es mit seinen bauchigen Flanken aber viel zu breit. Die Federdämpferelemente lagen nicht nur vorne sondern auch hinten innen und wurden auch dort über Kippehebel betätigt, was für eine Heckaufhängung sehr ungewöhnlich war. Anfangs gab es keine Airbox, ab Österreich gab es eine in umgekehrter Projektilform auf schmalem Fuß. Beidseitig des Motors gab es je einen großen, eckigen, schwarzen Luftkasten, der hinter den Auspuffschlangen nach unten reichte und dort die Ölkühler belüftete. Der Heckflügel war zweiteilig und hatte kleine Endplatten. Die Rückspiegel standen jeweils auf 3 langen Stelzen. Der Überrollbügel war oben dreieckig geformt und hatte eine breite Basis (ähnlich Surtees). Von Sponsor capricorn gab es für das Auto die schreiende Farbkombination Rot/Gelb, nur die umlaufende Windschutzscheibe war dunkel..

Zu einer WM-Veranstaltung trat Connew erstmals beim England-GP in Brands Hatch, dem 7. WM-Lauf an. Migault startete nur zum 2. Donnerstag-Training und fuhr eine um 8 sec langsamere Zeit als der schnellste, Stewart im Tyrrell. Doch auf einer Bodenwelle gab es einen bösen Bruch am Auto, so daß man von einer weiteren Teilnahme Abstand nehmen mußte.

Auch zum folgenden Deutschland-GP wollte Connew antreten und war auch angereist, doch die Rennleitung des Nürburgrings ließ Fahrer Migault mit der Begründung mangelnder Erfahrung nicht zu.

Den ersten und zugleich letzten WM-GP-Start schaffte Connew dann beim 9. WM-Lauf auf dem Österreichring. Bei 26 Bewerbern startete Migault zu seinem GP-Debüt als 25. und trotzdem letzter, weil Pescarolo im Williams-March verunfallt war. Einige Fahrer waren innerhalb der ersten 10 Runden weit zurückgefallen, so de Adamich (Surtees), Stommelen (Eifelland), Wilson Fittipaldi (Brabham) und Pace (March), 4 Ausfälle kamen hinzu, damit lag Migault in der 21. Runde auf der 17. Position. Doch dann brach die linke Hinterradaufhängung und Migault schaffte von den 54 Runden nur 22.

Danach gab es erst mal kein Geld mehr für das Team. Migault trat erst 1974 und 75 wieder in der F1-WM an, wobei er noch 12 Rennen für BRM und Hill-Lola fuhr. Jedoch konnte Connew 1972 noch einen Formel 1-Einsatz für das nicht zur WM zählende Saisonfinale in Brands Hatch organisieren. Der rennbegeisterte Sohn des Eigners der bekannten Kühlschrankfirma Lec, David Purley, finanzierte seinen Einsatz auf dem Connew mit seinem „Taschengeld" . Das Auto wurde in den Firmenfarben dunkelblau und weiß (Flügel) lackiert und bekam die entsprechenden Aufkleber (sowie JET). Mit der Startnummer 22 qualifizierte sich Purley mit dem ansonsten unveränderten Auto für den letzten Platz von 18 Startern mit beträchtlichem Rückstand auf den Pole-Man. Das Lec-Geld war jedoch schlecht angelegt, da der Wagen noch in der Aufwärmrunde durch einen Elektrikdefekt lahmgelegt wurde. Purley baute sich später, 1977, sein eigenes F1-Auto Lec.

Für 1973 rüstete Connew das Auto mit einem Chevrolet-Motor aus, um es in der Formel 5000 einzusetzen. Ein Unfall und die leere Kasse brachten jedoch bald das endgültige Aus.

 

 

 

 

 

 

Eigner, Teamchef, Konstrukteur: Peter Connew

Manager, Miteigner: Mike Smith

Manager, Techniker: Ron Dennis

Fahrer: François Migault Startnummer 7GB: 34, 9AUT: 29

David Purley (beim nicht zur WM zählenden GP-Finale in Brands Hatch)

 

Fahrzeug: Connew PC1-Ford Cosworth (Chassis PC 1/002)

Motor: Ford Cosworth DFV V8

Getriebe: Hewland DG 300 (5 Gang)

Reifen: Firestone

Benzin/Öl: Shell

Farbe: gelb, rot (dunkelblau, weiß beim nicht zur WM zählenden GP-Finale in Brands Hatch)

 

Sponsoren: capricorn, SAPAL (nur 9AUT)

 

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